Reisen und Reise-Berichte

Partnerschaftsbesuch in Ghana

CVJM-Partnerschaftsbesuch in Ghana, 10. – 24.03.2019

Im September 2018 besuchten uns Annette Okwabiwa Ohene aus Mampong und Edmund Kwasi Armah aus Akim Oda in Hilchenbach. Daraufhin sollte erstmals nach kurzer Zeit der Gegenbesuch stattfinden. So flogen wir am 10. März von Düsseldorf über Amsterdam nach Accra und konnten soeben noch rechtzeitig vor dem Sturmtief „Eberhard“ Europa verlassen. So weit der Weg auch war, so schnell fühlten wir uns in Ghana wie zu Hause aufgenommen. Herzlich umarmt wurden wir von unseren Freunden, ebenso wie von dem erdigen Geruch Afrikas und den warmen Temperaturen bis über 30 Grad.

Nach einem kurzen Aufenthalt beim YMCA- Nationalverband in Accra und bei unseren Freunden in Mampong, wo wir einen Teil des Gepäcks zurücklassen konnten, reisten wir zunächst mit einem (klimatisierten!) Kleinbus wieder an die Küste zu den alten Festungen „Fort Amsterdam“ und „Cape Coast Castle“, von denen die früheren Kolonialmächte Handel mit den Einheimischen betrieben und ihre Vormachtstellung in Westafrika zu sichern suchten. Nicht weit von hier liegt der Kakum-Nationalpark, wo wir mit einer Führung durch den Urwald und über einen Baumwipfelpfad die beeindruckende Natur in aller Schönheit kennenlernen durften.

Weiter ging die Reise in das Landesinnere nach Akim Oda, wo wir nach einer dreistündigen Fahrt durch den „Busch“ etwas durchgeschüttelt ankamen. „The route is rough“, warnte uns vorher Michael Tetteh Anguah (CVJM-Vorsitzender in Mampong), der uns als Reiseleiter begleitete. Aber unser Fahrer Josef meisterte auch diese Strecke und so wurden wir in Akim Oda sehr herzlich empfangen. Noch am selben Abend gab es eine Begrüßungsfeier im YMCA-Kindergarten, wo uns die Begeisterung, mit der die jungen Leute feiern, singen, beten und tanzen mitgerissen hat. Unter der Leitung des Vorsitzenden Adu Gyamfi und des Patrons Edmund Kwasi Armah konnten wir uns ein Bild über die Entwicklung des Kindergartens machen, der nach einer über 15jährigen gedeihlichen Betriebszeit eine Renovierung und Reorganisation benötigt. Die anfängliche Ausweitung des Projekts auf eine Primary School (Grundschule) wurde gestoppt, um die Kräfte auf den Kindergarten zu konzentrieren. Derzeit ruht der Betrieb und es wird ein neues Konzept erstellt, das mit neuem Personal und gutem Material den Kindern und behördlichen Ansprüchen gerecht wird. Während die Bausubstanz des Gebäudes immer noch sehr ordentlich ist, muss das Innere neu gestrichen, Böden gefliest und die sanitären Anlagen erneuert werden. Die Erneuerung der Ausstattung im Innen-und Außenbereich wird folgen. Angestrebt wird die Neueröffnung im September 2019 mit zwei Gruppen. Das bedeutet viel Arbeit für den kleinen Verein, der die Sache mit großem Einsatz angeht aber auch mit seinen Kräften haushalten muss. Nicht zu kurz soll auch die CVJM-Jugendarbeit kommen, die sich hauptsächlich am Wochenende und abends in dem Projekt abspielt. Mit Minibussen, fröhlichem Gesang und Trommelbegleitung sind wir zu Westafrikas größtem Baum, dem „Big Tree“, gefahren, der vor Akim Odas Toren in einem der wenigen dichteren Waldbestände steht. Schließlich kam die Farewellparty zum Abschied zu schnell herbei und mit zahlreichen Abschiedsfotos, dem obligatorischen Austausch von Handynummern haben wir die Rückfahrt nach Mampong angetreten. Dort „oben“ angekommen, haben wir den etwas kühleren Wind der Akwapim-Berge genossen und die gemeinsame Zeit mit unseren Gastgebern. Auf dem Programm stand der Besuch der ältesten Kakaofarm Afrikas, gegründet 1879 von Tetteh Quarshie, dem Botanischen Garten in Aburi und der Kirche (Presbyterian Church) im Nachbarort Akropong, wo die Basler Mission in den 1830er Jahren ihre Arbeit aufnahm, mit der u.a. die Regionalsprache Twi verschriftlicht und damit eine Grundlage für Schulbildung gelegt wurde.

Das schon früh gegründete theologische Seminar ist dort heute noch in Betrieb. Im CVJM-Projekt-Haus von Mampong wurde inzwischen eine kleine Näherei eingerichtet, wo u.a. schöne Shirts und Schulkleidung hergestellt werden. Eine kleine Reparaturwerkstatt für Handys kommt in Kürze hinzu. Auch hier ist der Ort für die Vereinsaktivitäten, die wie in Akim Oda hauptsächlich am Wochenende stattfinden, wenn die Leute Zeit haben. In der Woche müssen viele den Ort für ihre auswärtige Arbeit verlassen. Gewürdigt haben wir auch die örtliche Gepflogenheit, beim Chief unsere Aufwartung zu machen. Hier wird die Häuptlingstradition fortgeführt, Dorfangelegenheiten zu besprechen, Streitereien zu schlichten, kulturelles Erbe zu wahren, ausländische Gäste in den Dialog einzubeziehen und vieles mehr. Die großen Trommeln, sogenannte „talking drums“, durften wir leider nicht spielen, da sie nur bei besonderen Anlässen genutzt werden. Immerhin wurden sie extra für uns aufgestellt. Mampongs Kirchengebäude der Presbyterian Church musste vor wenigen Jahren wegen Termitenbefalls abgerissen werden. Die neue Kirche steht im Rohbau und wartet auf Vollendung, sobald wieder genug Geld in der Kasse ist, ein in Ghana üblicher Ablauf um Gebäude zu errichten. Gottesdienste werden bis dahin in der Gemeindehalle gefeiert und die Brass Band (Posaunenchor) übt im schattigen Außenbereich. Begrüßt wurden wir von den Bläsern mit dem Gemeindelied „David’s Son, the King of Heaven“ mit der Melodie, auf die wir die deutsche Nationalhymne singen und das wissen unsere Freunde natürlich. Gegen Ende unseres Besuches feierten wir die Hochzeit von Annette Okwabiwa Ohene und Josef, die auf dem Gelände unseres Gästehauses in traditioneller Weise stattfand. In einer zweistündigen, fröhlichen Zeremonie wurden die Familien des Brautpaares einander vorgestellt und die Vermählung „verhandelt“. Das ganze wurde von zwei Familiensprechern moderiert und von Tanzmusik unterlegt, selbstverständlich mit der gebührenden Lautstärke und zur Unterhaltung der zahlreichen Gästen. Die kirchliche Trauung folgte am nächsten Tag im Gottesdienst, gefolgt von einem eher familiären Mittagessen. Aber da mussten wir leider schon wieder unsere Heimreise antreten und uns von Freunden trennen, die zu liebgewonnen Geschwistern wurden. Viele Gespräche haben wir geführt mit den jungen Leuten, die sich mit unserem überwiegend jungen Reiseteam so gut verstanden haben. Manches hat sich in Ghana verbessert: Die schulische Ausbildung, teilweise die Straßeninfrastruktur, ein gut erreichbares Mobilfunknetz, dass die private und geschäftliche Kommunikation erheblich nach vorne gebracht hat. Was u.a. fehlt, ist eine Industrie, die Arbeitsplätze und Perspektiven schafft und eine Chance hat gegen die Überflutung des Binnenmarktes mit billigen, subventionierten Produkten aus Europa und China. Was wir mitnehmen und gerne teilen ist ein fröhlich gelebter christlicher Glaube, der mit Gott rechnet in jeder Lebenslage und Menschen in einer stärkenden Gemeinschaft zusammenführt. Aber auch die herzliche Gastfreundschaft und Besorgtheit bleiben, mit der wir reich beschenkt wurden.
Nach unserer Rückkehr in Hilchenbach schrieb uns Michael eine WhatsApp-Nachricht: „Thank god for your safe arrival home. We are please of your presence with us. God always continue to guide and guard you all.“ Peace be with you – Friede sei mit dir. Das wünschen uns allen,

Jessica Ronge, Mirko Reifenrath, Florian Heiden, Lukas Debus und Roger Heinrich