Auf ein Wort . . .

“ Sammle meine Tränen in deinem Krug;
                                   ohne Zweifel, du zählst sie.“

                                 Psalm 56,9 – Losung vom 30. September

Was für eine Wohltat – die Bibel fragt mich nicht, ob denn alles klar ist und im grünen Bereich und so, wie meine Mitmenschen das ständig tun. Die Bibel weiß, dass oft eben nicht alles klar ist. In ihr findet sich alles: Geschichten der Freude und des Erfolgs, und sie macht die Augen vor Trauer und Niederlage und Angst nicht zu.

Ich les den Satz ein zweites, ein drittes Mal – und fühle mich
dem Beter nahe. Der kennt das, Trauer Niederlagen, Tränen – und ich fühl mich bei ihm gut aufgehoben. Allein dieser eine Satz reicht. Denn ich spür: Ich darf genauso sprechen: Meine Tränen – und das sind nicht nur Tränen, sondern auch meine
Unzufriedenheit mit mir, meine geplatzten Träume, meine viel
zu vielen Abschiede, meine Furcht vor was auch immer – all das verweht nicht wie Dampf oder Sand im Sturm. All das, was doch auch zutiefst zu mir gehört, bleibt zusammen und gut aufgehoben an einem wichtigen Ort: Es kommt in Gottes Krug und wird aufbewahrt in Seiner Nähe; Er weiß davon und kennt dieses Gefäß, wo sich so vieles sammelt, nimmt es immer wieder in die Hand, streicht mit seiner Hand darüber und segnet meine Tränen.

Ab und zu hebt er den Deckel und sieht in den Krug hinein und sagt: Nichts geht verloren und nichts ist sinnlos. Deine Tränen machen dich wertvoller und lassen dich reifen. Ich halt meine Hand drüber und verschütte nichts. Deine Vergangenheit, die Gegenwart und sogar deine Zukunft sind bei mir in guten Händen.

Es ist eine Wohltat: Ich lasse los, schaue zum Himmel, sage Danke und weiß wieder, warum ich so gerne glaube.

Den Segen unseres Gottes wünscht Ihnen

Ihr Herbert Scheckel