Auf ein Wort . . .

P a s s i o n

Was für ein schweres Wort!  Und so schillernd! 

Es kann mal dies, mal jenes bedeuten: Die Konfirmanden verstehen bei diesem Wort erst mal nicht, was man denn von ihnen will, der Jäger denkt an seine Leidenschaft, morgens früh die Tiere zu beobachten und vielleicht auch mal zu jagen, dem Musikliebhaber heben sich die Augen beim Gedanken an die Johannes–Passion von Johann Sebastian, der Genießer hat eine Passion für Sachertorte, der Gärtner ergötzt sich an der Passionsblume oder versucht sich sogar an der Passionsfrucht.

Wer gerne in die Alpen fährt, kennt die Rede von den Passionsspielen an besonderen Orten. Das  kommt der Bedeutung schon nah, um die es hier gehen soll. Jahr um Jahr üben Einwohner zum Beispiel von Oberammergau die Passionsgeschichte von Jesus ein und spielen sie sehr wirklichkeitsnah. Ich bewundere das, wenn Menschen sich so einlassen auf diese besondere  Geschichte. Die ist wohl lang her, wird aber im Schauspiel so lebendig, dass sie dem Glauben der Menschen gut tut.

Doch es ist keine schöne Geschichte. Die letzten Tage von Jesus werden erzählt, wie er immer tiefer zwischen die Menschen und ihre Interessen gerät, seine Freiheit verliert, verurteilt wird und sterben muss. Ist das ein Stoff für erfolgreiches Theater?  Wollen Leute sowas sehen? Hilft das dem Glauben?

Ich wills mal andersherum sagen. Es gibt einen Grund für das Ganze: Gott hat eine Passion für die  Menschen, er empfindet eine Leidenschaft für sie und für ihr Wohlergehen. Es reicht ihm anscheinend nicht, in der Höhe zu thronen und sich von tausend Engeln besingen zu lassen. Seine Passion für die Menschen treibt ihn in die Gemeinschaft mit ihnen. Er ist gerne mit ihnen zusammen, lebt gerne in ihrem Leben und freut sich, wenn sie an allen Tagen seine Hand halten und sich von ihm führen lassen.

Seine Leidenschaft für die Menschen kostet ihn allerdings einen hohen Preis, seine Freundlichkeit ist teuer erkauft. Man muss das jetzt gar nicht in allen Einzelheiten beschreiben – mit den Nägeln und dem Blut und den Schmerzen, die Jesus an seinem Ende ertragen musste. Es reicht zu wissen und zu glauben, dass Gottes Sehnsucht nach den Menschen nicht nur Worte bleiben, sondern Taten wurden: Er hats bewiesen: Er hat eine Leidenschaft für dich, er will Dir nahe sein, Dir vergeben und Dir alle Türen öffnen, die es braucht, um frei zu sein – frei für das Leben hier und auch für das danach.

Von daher ist die Passionszeit eine gute Zeit für uns. Denn wir freuen uns über einen gnädigen und barmherzigen Gott, der uns nahe ist an hohen und an tiefen Tagen, der das Beste gab, was er hatte, und der uns immer wieder aufhilft und mit beiden Händen segnet.

Kein Wunder, dass er damit in uns eine Leidenschaft für ihn erweckt, dass wir ihn lieben und ehren und ihm gerne vertrauen. Dass wir dann auch das Osterfest mit großer Freude feiern und uns geborgen wissen in seiner starken Hand. Was für ein Glück!

Eine gesegnete Passions– und Osterzeit wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pastor Herbert Scheckel