Kreissynode Siegen

Kreissynode Siegen II
Evangelische Kindertageseinrichtungen

Leitbildprozess
Das evangelische Profil der evangelischen Kindertageseinrichtungen

Die 59 Kindertageseinrichtungen mit zurzeit insgesamt 2397 Kindern und damit verbunden deren evangelisches Profil war das Schwerpunktthema der Kreissynode Siegen, die am Mittwoch, 27. Juni 2018, in der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilnsdorf-Wilgersdorf tagte. Für die evangelischen Kindertageseinrichtungen findet derzeit im Kirchenkreis und den Gemeinden ein Leitbildprozess statt, durch den das evangelische Profil in den Einrichtungen herausgearbeitet und geschärft werden soll.

In seiner Einführung ins Thema machte Superintendent Peter-Thomas Stuberg deutlich: „Kita-Arbeit ist elementarer Teil unserer Gemeindearbeit.“ Diese Einschätzung entnahm er den Gemeindeberichten zur Kreissynode, in denen das hohe Engagement etlicher Beteiligter und ihre Freude an diesem Arbeitsfeld zum Ausdruck kommen. In den Kindertageseinrichtungen gehe es um die Erlangung von Sprachkompetenz und Sozialkompetenz. Die unschätzbare Zahl der Sterne entsprechend dem bekannten Kinderlied „Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem hohen Himmelszelt“, der Wolken, der Mücken und der Fische und viele andere Dinge mehr gehörten automatisch in die Selbstbildungslust der Kinder hinein. Dass Kinder sich die Welt erschließen wollten, dass sie lernten, die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Menschen auszugleichen und dass genau genommen Demokratie erlernt werden müsse, „das ist das tägliche Brot unserer evangelischen Kindertageseinrichtungen.“

Selbstverständlich, so der Superintendent, gehöre auch die religiöse Bildung dazu. Er zeigte auf, dass es der ausdrückliche Wunsch der Bildungsrichtlinien des Landes NRW sei, Religion und Ethik als Bildungsbereiche zu pflegen. Dort heiße es: „Jedes Kind bringt Offenheit und Neugier für oft mit Religion und anderen Weltanschauungen verbundenen Fragen mit. … Wenn Kinder die Welt erforschen, stellen sie Fragen nach dem Anfang und dem Ende, nach dem Sinn und Wert des Lebens. Sie staunen über das, was sie wahrnehmen und sind fasziniert von dem, was sie nicht sehen. Sie wollen den Rätseln, die sich ihnen auftun auf den Grund gehen und suchen nach Anhaltspunkten für ein gutes, gerechtes und sinnvolles Leben.“  Das Kind, so bezieht sich Stuberg auf den Theologen Friedrich Schweitzer, habe ein Recht auf Religion. Kinder fragten über ihren alltäglichen Tellerrand hinaus. Sie wollten wissen, wer sie sind, was sie können, warum das Leben beginne und ende, wie es im Himmel aussehe, wie man gerecht miteinander leben könne und warum es verschiedene Glaubensformen gäbe.

Den Berichten der Kirchengemeinden zu der Thematik entnehme er in dem religionspädagogischen Tun ein liebevolles, kreatives und kindgerechtes Angebot, das den Fragen der Kinder zu begegnen suche. Dazu gehörten die Vermittlung klassischer Bibelerzählungen, die Feier der kirchlichen Feste, Familiengottesdienste, musikalische Angebote oder spirituelle Formen für Kinder. Diese Aufgabe übernähmen nicht nur die Pfarrer, sondern es seien in erster Linie die Erzieherinnen selbst, die den christlichen Glauben zur Sprache brächten und den Kindern vorlebten. Dies auch im Respekt vor dem Andersgläubigen.

Stuberg schlug aber auch kritische Töne an. Bei dem Dreiklang Bildung, Erziehung und Betreuung in den evangelischen Kindertageseinrichtungen hätten die Entwicklungschancen der Kinder oberste Priorität, nicht etwa die Bedürfnisse eines immer anspruchsvolleren Arbeitsmarktes, der auch von Menschen in der Elternzeit hohe Flexibilität und Verfügbarkeit zu immer mehr Tageszeiten erwarte. Ihm fehle in der Forderung nach immer mehr Betreuungsangeboten der Lösungsansatz der Arbeitgeberseite. Ein erweitertes Betreuungsangebot in den Kitas ziehe in der Konsequenz auch eine Fortsetzung der Betreuung in den Offenen Ganztagsschulen und in weiterführenden Schulen nach sich. Finanzielle Mehrbedarfe entstünden und ein jetzt schon erheblicher Fachkräftemangel erschwere die Situation. Stuberg: „Wir brauchen eine berechenbare Finanzierung durch ein erneuertes Gesetz, das die kaufmännischen Risiken nicht einseitig bei den Trägern belässt. Der größte Anteil der Kosten, nämlich rund 80 % sind Personalkosten. Diese gilt es sicher und belegungsunabhängig von der öffentlichen Hand zu gewährleisten. Damit die Träger den Rücken frei bekommen für ihre inhaltliche Arbeit mit den Kindern und Familien und nicht mit der wirtschaftlichen Überlegungsstrategie beschäftigt sein müssen.“

Zahlen und Fakten

Nina Stahl, Geschäftsführerin der Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen (EKiKS), schilderte die Situation der ev. Kitas anhand von Zahlen, Daten und Fakten. 52 Kindertageseinrichtungen (einschließlich im Ev. Kirchenkreis Wittgenstein) gehören derzeit zu EKiKS. Die Anzahl der Kitas pro Region liegen zwischen fünf und zehn. Von den 2.397 Kinder in den evangelischen Einrichtungen sind 1.163 Mädchen und 1.234 sind Jungs. 490 Kinder sind unter 3 Jahren, 20 Hortkinder werden ergänzend zur Schule in den Randzeiten im Familienzentrum Sternenzelt in Büschergrund betreut. 1.231 Kinder sind evangelisch, darüber hinaus existiert eine große religiöse Vielfalt. 130 Kinder mit Fluchterfahrung besuchen einen evangelischen Kindergarten. 1.380 Kinder werden über Mittag betreut. Jährlich werden in den Kitas 800 angehende Schulkinder verabschiedet. Die Familien der Kinder in den evangelischen Einrichtungen kommen aus 63 unterschiedlichen Herkunftsländern, 300 Kinder haben eine andere Staatsangehörigkeit als deutsch.

In den evangelischen Kindertageseinrichtungen arbeiten insgesamt 580 Mitarbeitende, davon sind lediglich 20 männlich. Damit gehörten die Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen zu den großen Arbeitgebern in der Region.

Nina Stahl und Pfarrer Stefan König, Vorsitzender des Synodalen Ausschusses für Kindertageseinrichtungen, stellten die Vorgehensweise und das Ergebnis des bisherigen Prozessweges vor. Mit Hilfe eines externen Beraters sei, so König, der Prozess vorbereitet und ein Leitbild für die Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen formuliert worden. Es orientiert sich am Leitbild des Evangelischen Kirchenkreises Siegen.

Im nächsten Schritt sind die Konzeptionen der einzelnen Kindertageseinrichtungen zu überarbeiten und auf das Leitbild zu beziehen. Zudem wird in den Regionen des Kirchenkreises jeweils ein sogenannter Orientierungsplan von den Kirchengemeinden und den Fachkräften der Kitas entwickelt. Das Miteinander der Kirchengemeinden in den Regionen und den örtlichen Kindertageseinrichtungen soll dadurch gefördert werden. Damit verbunden sind die Entwicklung konkreter Praxisbeispiele, die in den Einrichtungen angewandt werden können.

Zudem sollen die Mitarbeitenden durch religionspädagogische Fort- und Weiterbildungen im eigenen Handeln gestärkt werden.

Eine lebhafte Diskussion in der Synode zeigte das Interesse an der Thematik und deren Bedeutung. Pfrn. Ute Waffenschmidt-Leng kritisierte die befristeten Beschäftigungsverhältnisse und forderte, diese zu reduzieren.

Für Pfr. Thomas Ijewski gaben die Formulierungen der Leitsätze deutlich zu wenig evangelisches Profil wieder. Ijewski: „In den Einrichtungen passiert viel evangelisches und christliches. Das sollte deutlicher zur Sprache kommen.“ Dies unterstützte Pfr. Dr. Christian Schwark. Die biblische Tradition und der christliche Glaube sollten im Leitbild konkreter formuliert werden. Pfrn. Annegret Mayr, Islambeauftragte des Kirchenkreises, sprach die Klarheit eines evangelischen Glaubenszeugnisses im respektvollen und toleranten Verhalten anderer Religionen gegenüber an und bat, dies zu diskutieren. Pfr. Christoph Otminghaus regte an, die Familienzentren als eigenständige Orte von Kirche zu beschreiben. Während Pfr. Ralph van Doorn alles nötige in den Leitbildformulierungen enthalten sah, bemerkte  Pfr. Martin Ahlhaus, dass der Begriff Kirche in den ersten Sätzen nicht vorkäme. Pfr. Matthias Elsermann merkte an, dass die Leitsätze die Unterschiede zu anderen Anbietern deutlich machten. Schließlich hätten auch die Evangelischen Kindertagesstätten nicht nur ein religionspädagogisches Handlungsfeld, sondern einen öffentlichen Auftrag.

Deutlich wurde in der Diskussion zudem, dass die religionspädagogischen Konzepte von den Kirchengemeinden und den Einrichtungen vor Ort zu gestalten und verantworten seien. In diesen konkreteren Ausgestaltungen habe eine weitere Profilschärfe ihren individuellen Platz.

Mit 70 Ja-Stimmen, 29-Nein-Stimmen und einigen Enthaltungen wurde das Leitbild der Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen beschlossen.

kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Geschäftsführerin Nina Stahl und Ausschussvorsitzender Pfarrer Stefan König schilderten die Leitbildentwicklung für die evangelischen Kindertageseinrichtungen.

Kreissynode Siegen III
Kirchenkreiskonzeption

Solidarität in Vielfalt
Kirchenkreiskonzeption

Seit drei Jahren arbeitet die vom Kreissynodalvorstand eingesetzte Prozesssteuerungsgruppe mit dem kryptischen Namen EVKKSI2025. Der steht für Evangelischer Kirchenkreis Siegen 2025 und hat die Aufgabe herauszuarbeiten, welche Entwicklungsschritte gegangen werden sollten, damit auch im Jahre 2025 Kirchenkreis und Kirchengemeinden ihren Dienst an den Gemeindegliedern und der Gesellschaft wahrnehmen können. Die Gemeindeglieder werden weniger, die finanziellen Ressourcen werden absehbar ebenfalls geringer und, was schon jetzt schmerzlich spürbar ist, es fehlt an theologischem Nachwuchs. In den nächsten Jahren werden etwa 20 %  aller Gemeindepfarrstellen mangels Nachwuchs nicht wiederbesetzt werden können. Mit längeren Vakanzen wird umzugehen sein. Darauf Reaktionsmöglichkeiten zu entwickeln, war Aufgabe der Prozesssteuerungsgruppe. Auf den vergangenen Sommersynoden wurde jeweils mit Zwischenberichten über den Stand der Beratungen und die Zielrichtung informiert. In zwei Durchgängen wurden die Gemeinden und Einrichtungen aufgefordert, ihre Stellungnahmen und Vorschläge abzugeben, die in das Papier eingeflossen sind. Das Ergebnis liegt nun vor. Es trägt den Namen „Solidarität in Vielfalt“ und setzt auf die Einsicht und Bereitschaft zum solidarischen Handeln innerhalb des Kirchenkreises und zwischen den einzelnen Kirchengemeinden. Herausgekommen ist kein statisches, abgeschlossenes Dokument, sondern eine Beschreibung von Situation, theologischer Grundlage und vier Handlungsfeldern mit insgesamt 53 unterschiedlich umfangreichen Handlungsaufträgen, die verschieden zügig in den nächsten fünf Jahren abzuarbeiten sind oder aber als Dauerauftrag ständig im Blick gehalten werden sollen. Herausgearbeitet wurden die Handlungsfelder gesellschaftliche Veränderung, gesamtkirchliche Rahmenbedingungen, kreiskirchliche Struktur und Personalentwicklung.

Zuvor stellt Konzeption jedoch die theologische Grundlegung heraus. Die Kirche wird als Leib Christi beschrieben entsprechend dem Kirchenbild des Paulus. Der Evangelische Kirchenkreis Siegen lebt als Gemeinschaft der Gemeinden und ihrer Einrichtungen, Referate, Dienste und ihrer Verwaltung entsprechend dem Verständnis von Gemeinde, wie es in 1. Kor. 12, 4–6 beschrieben als verschiedene Gaben, aber ein Geist, verschiedene Ämter, aber ein Herr, verschiedene Kräfte, aber ein Gott, der alles in allen wirkt. In dem Bild des Leibes Christi wird deutlich die Vielfalt innerhalb der Kirche wie die Einheit der Glieder und Teilbereiche. Das Bild veranschaulicht die Eigenständigkeit und Individualität der Glieder ebenso, wie deren wechselseitige Angewiesenheit und ihre Berufung zu gegenseitiger Solidarität und Ergänzung.

In Anleitung durch dieses biblische Bild besinnen sich die Gemeinden und die synodalen Dienste des Kirchenkreises Siegen in der Zeit der Umgestaltung stärker auf ihre Zusammengehörigkeit. Die Gemeinden und Dienste, so das Konzept, können viele der vorliegenden und zu erwartenden Herausforderungen nur gemeinschaftlich, solidarisch und im wechselseitigen Ausgleich bewältigen. Um Einheit und Vielfalt gleichermaßen zu bewahren und zu fördern, sind folgende Prinzipien leitend:

„Der Kirchenkreis erkennt die Verschiedenheit seiner Kirchengemeinden als Reichtum und Wirkung des Geistes an und fördert sie.

Im Kirchenkreis Siegen bleibt die evangelische Kirche als Gemeinde vor Ort präsent, auch wenn nicht mehr in jedem Dorf ein kirchliches Gebäude vorgehalten werden kann.

Die Kirchengemeinden und die synodalen Dienste erkennen ihre Verbundenheit miteinander und gestalten dieses Zusammenwirken bewusst. So entfalten sie den im Bild des Leibes Christi intendierten wechselseitigen Nutzen und die Solidarität aller Glieder des Leibes.

Die Gemeinden im Kirchenkreis Siegen sehen ihre Zukunft nicht in einer Zentralisierung, bei der die Profile der einzelnen Gemeinden verloren gehen würden, sondern fördern deren Erkennbarkeit. Die Identitäten und Profile der Kirchengemeinden sollen nicht aufgegeben werde, sondern durch Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden erhalten und gestärkt werden.

Zugleich überwinden sie ein Verständnis, nachdem die einzelnen Kirchengemeinden losgelöst von den Nachbargemeinden oder der Gemeinschaft aller Gemeinden und Dienste im Kirchenkreis ihr Gemeinde-Sein verwirklichen könnten.

Im Rahmen des Prozesses 2025 verwirklichen die Gemeinden ihre Solidarität zunächst auf der Ebene der Regionen, ohne das Ganze des Kirchenkreises aus dem Auge zu verlieren. Leitend kann dabei der Satz sein: „Das Ich der Parochie darf bleiben und das Wir der Region kann wachsen.“ …  So bleibt die Identifikation mit der Gemeinde vor Ort möglich, die sich in persönlichem und finanziellem Einsatz für die eigene Gemeinde ausdrückt. Identität und Solidarität bilden keinen Widerspruch, sondern sind als Ergänzung komplementär zu verstehen.“

In der kurzen Diskussion regte Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng an, die Konzeption zu ergänzen um die Aussage, dass Kirche Kirche für andere sei. Wir seien nicht für uns selber da. In der Situationsbeschreibung fehle ihr die gesellschaftliche Situation. Christengemeinde sei Teil der Bürgergemeinde. Solidarität werde zunehmend aufgekündigt. Eine Willkommenskultur sei leider vorbei. Hier müsse sich Kirche äußern.

Pfarrer Ralph van Doorn sprach sich dafür aus, bei der Ausbildung der Theologen die alten Sprachen nicht aufzugeben.

Dankbar äußerte sich Pfarrerin Rebecca Schmidt dafür, dass in die Konzeption aufgenommen worden sei, was die Presbyterien formuliert hätten.

Bei zwei Gegenstimmen und einigen Enthaltungen wurde die Konzeption des Evangelischen Kirchenkreises Siegen „Solidarität in Vielfalt“ mit großer Mehrheit beschlossen.

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Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Die Pfarrer Rolf Fersterra und Volker Schubert erläuterten die Kirchenkreiskonzeption.

Kreissynode Siegen VIII
Bericht Superintendent

Kirchenkreis – ein permanenter Veränderungsprozess

Vor 200 Jahren entstanden in der Kirche der westfälischen Provinzen die Kirchenkreise, die damals noch Diöcesen hießen, und damit auch der Kirchenkreis Siegen. 13 Gemeinden wurden für ihn festgelegt: Siegen, Rödgen und Willesdorf, Netphen, Müssen, Holzklau, Hilchenbach, Freudenberg, Fischbach, Ferndorf, Diesselndorf, Crombach, Burbach sowie Neunkirchen. Der Begriff Kirchenkreis, so Superintendent Peter-Thomas Stuberg in seinem Synodenbericht, sei wohl erst 1923 in der Kirchenordnung gebildet worden. Er sei ein Gefüge, „das immer wieder aufs Neue seine Strukturen an die Erfordernisse der jeweiligen Gegenwart angepasst hat“. Es habe niemals eine Zeit gegeben, in der die Verantwortlichen die Gestalt des Kirchenkreises gewissermaßen in Stein gemeißelt hätten. Der Mix aus Bewahrung von Tradition und dem Wagnis zur Veränderung sei ein Teil des historischen Erbes, das den 200 Jahren seines Bestehens abgelauscht werden könne. Heute sei Kirche nicht mehr Staatskirche, die vom Preußenkönig her ihre Rechtsordnung bekomme. Stuberg: „Unsere Kirche hat spätestens seit der Weimarer Reichsverfassung das verbriefte Recht, ihre Angelegenheiten selbstständig und vom Staat unabhängig zu regeln. Das gilt bis heute, auch wenn wir in Vielem ganz staatsanalog strukturiert sind.“ Kirchenkreis, das sei eine eigene juristische Person, eine Gestalt von Kirche, in der Aufgaben organisiert und ausgestattet würden, die im Auftrag der Gemeinden überkirchliche Verantwortung bündele. Er bilde den Rahmen zur Gestaltung der geistlichen Gemeinschaft zwischen den Gemeinden.

Anschließend berichtet der Superintendent über personelle Veränderungen im Kirchenkreis. Pfarrer Dietrich Hoof-Greve werde Leiter der Telefonseelsorge Siegen. Die Wiederbesetzung der dadurch frei werdenden Stelle der Evangelischen Studierendengemeinde sei bei der Landeskirche beantragt. Das Bewerbungsverfahren zur Wiederbesetzung der Kirchenmusikerstelle an der Martinikirche Siegen werde ab September eröffnet. In der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle gehe die Leiterin Annette Mehlmann in den Ruhestand und Simone Weiß, bisher stellvertretende Leiterin, werde die Leitung übernehmen. Im Evangelischen Gymnasium habe nach der Pensionierung des stellvertretenden Schulleiters Hartmut Abrell die Vakanz Hans Jürgen Förtsch lange und sehr gut mit ruhiger Hand und hervorragenden Ergebnissen ausgefüllt. Nach einem offiziellen Bewerbungsverfahren mit mehreren Bewerbern habe nun Thomas Süßenbach die Stelle des stellvertretenden Schulleiters angetreten. Pfarrer Jörn Contag sei seit 1. Mai der neue theologische Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen.

In den Gemeinden seien Wiederbesetzungen von Pfarrstellen oft schwierig. Sehr zu Unrecht habe das Siegerland einen Image-Malus, der bei Lichte gesehen der Realität überhaupt nicht standhalte. Dagegen könne er nur berichten von einer hohen Verbundenheit der Menschen zu den Gemeinden,  vom wirklich vielfältigen kirchlichen Leben, der reichen Unterstützung durch ehrenamtlich Mitarbeitende, von einer guten Infrastruktur, viel schöner Natur und vieles mehr. Im nächsten Jahr würden Studierende der evangelischen Theologie im Rahmen einer Exkursion das Siegerland von seiner echten Seite kennenlernen. 

Abschließend geht Superintendent Peter-Thomas Stuberg auf die auch in Gemeinden des Kirchenkreises durchgeführte Kirchenasyle ein. Das Kirchenasyl komme Menschen zugute, deren Leib und Leben in ihren Heimatländern bedroht sei. In solchen Fällen, so die Aussage der Präses der westfälischen Landeskirche Annette Kurschus auf einer Pressekonferenz, könne ein Kirchenasyl ein Atempause gewähren, ein notwendiges Zeitfenster öffnen. Dadurch entstehe kein rechtsfreier Raum. Im Gegenteil, dieses Zeitfenster des Kirchenasyls könne den Rechtsstaat sogar stärken, weil es in vielen Fällen dem Recht zum Durchbruch verhelfe. Diesen Effekt, so Stuberg, hätten hiesige Gemeinden bisher ausnahmslos immer erlebt. Menschen seien nach nochmaliger gründlicher Betrachtung ihrer Situation der vorläufige Stand der Anerkennung zuerkannt worden. Stuberg: „Den Gemeinden, die sich hier in vielen Stunden und mit einem erheblichen ehrenamtlichen Einsatz rund um die Uhr jeweils eingesetzt haben, spreche ich für uns alle unseren Dank aus.“ Gerade in Zeiten der oberflächlichen Generalverurteilungen von Asylbewerbern sei die gründliche juristische Betrachtung des Einzelschicksals die einzige Art, die weiter führe und die das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte zur Anwendung bringe. Ein beredtes Beispiel von gelingender Integration beschreibe Dirk Hermann. In unserer Diakonie machten gerade fünf Flüchtlinge eine Ausbildung zum Altenpfleger und zwei in der Krankenpflege. 13 Teilnehmer hätten die erste Sprachprüfung in deutscher Sprache abgelegt, 11 weitere seien für das fortschreitende Modul angemeldet. Dank ehrenamtlicher Begleitung in den Gemeinden, dank der Diakonie in Südwestfalen und damit vor allem dem Engagement von Dirk Hermann halte ihre Motivation auf diesem Wege immer noch an. So erhielten sie Perspektive und Würde, indem sie ganz regulär auf dem ersten Arbeitsmarkt versuchen möchten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Um der besseren Vernetzung der Arbeit für geflüchtete Menschen willen bittet der Superintendent beteiligte Gemeinden im Vorfeld eines eventuellen Kirchenasyls, mit Pfarrer Volker Schubert Kontakt aufzunehmen, und ihn als kreiskirchlichen Beauftragten in das Verfahren einzubeziehen.

Kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Superintendent Peter-Thomas Stuberg berichtet von Veränderungen im Kirchenkreis, geht auf dessen Geschichte ein und dankt den Gemeinden, die sich mit hohem Aufwand um geflüchtete Menschen kümmern und ihnen Kirchenasyl gewähren.