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Auf ein Wort . . .

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Dienst in Hilchenbach neigt sich unaufhaltsam dem Ende zu. Das ist ganz natürlich dem Alter geschuldet, mit dem man aus der Arbeit ausscheidet. Doch noch liegt Ostern vor uns. Ich freue mich ganz besonders auf den Gottesdienst am frühen Morgen (in diesem Jahr um halb sieben), der für mich zu den schönsten und wertvollsten im Jahreskreis gehört.

Denn schließlich ist das Fest der Auferstehung Jesu das höchste Fest der Christen: Die Auferstehung Jesu ist die Bekräftigung der Liebe Gottes zu dieser Welt.

Wir sehen nun:

Alles ist für uns geschehen: Jesu Geburt, sein Leben, seine Worte, seine Passion, das Kreuz und nun auch die Auferstehung von den Toten. Wir haben eine Hoffnung über den Tod hinaus, die Menschen haben eine Zukunft. Die sollen sie im Glauben an Jesus Christus erkennen und ergreifen, d.h. die christliche Gemeinde muss immer wieder neu Zeugnis geben und Jesus Christus bekennen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Neben ganz viel neuen Ideen und Offenheit für Methoden, die in unserer Zeit jüngere und ältere Menschen erreichen, gilt es vor allem sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren:

Das kann uns die ausführlichste Ostergeschichte lehren, die wir in der Bibel haben. Es ist die Geschichte der Emmaus-Jünger (Lukas 24), die Karl Schmidt-Rottluff in zwei Holzschnitten dargestellt hat. Man wird andere Bilder zu dieser Geschichte schöner finden, aber mich nehmen die beiden Jüngergestalten gefangen: Mühsam sind ihre Schritte, wie zerschlagen an Leib und Seele kommen sie mir vor, enttäuscht von dem Ende ihrer Hoffnungen, ratlos, wie es für sie weitergehen solle. Alles hatten sie auf Jesus gesetzt. Ihr Glaube wurde enttäuscht. Sie kommen mir vor wie ein Bild für manche Christen, ja auch wie manche Gemeinden heute, die sich durch das Leben in dieser Welt schleppen, verzagt und voller Zweifel.

Was hilft ihnen, sich wieder aufzurichten, was hilft den Gemeinden  wieder zuversichtlich in die Zukunft schauen zu können? Müssen wir uns abfinden, dass uns das Ende droht? Dass die Christen weniger werden, dass die Glaubenden abnehmen? Die Klage darüber ist schon alt. Sie steht schon mitten in der Bibel: „Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.“ (Psalm 12,2)

Was hilft? Besser: wer hilft? Im Psalm antwortet Gott selbst auf die Not seiner Kinder: „Weil die Elenden Gewalt leiden und die Armen seufzen, will ich jetzt aufstehen“, spricht der HERR, „ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt.“ (V.6)

Aufstehen, helfen. Gott antwortet. Das ist Ostern: Auf-er-stehen! Gott hilft, Gott steht den Zerschlagenen bei. Er ist wieder bei denen, die ratlos sind, die nicht aus und nicht ein wissen, die ohne Hoffnung sind, dass da ein Gott ist, der bei ihnen ist. So wie die Jünger nicht mehr wahrnehmen, dass Jesus selbst sich zu ihnen gesellt, so haben auch viele Christen, keinen Blick für den, der bei ihnen, mit ihnen sein will. Und nur auf ihn kommt es doch an. Die Kirche lebt nicht von ihrem Einfluss, nicht von ihrem Geld. Sie ist im letzten auch nicht abhängig von ihren Gebäuden, so schön es auch ist, sie zu haben. Sie lebt einzig und alleine davon, dass sie ihren Blick auf Jesus richtet. Und dafür sorgt in der Erzählung des Lukas Jesus, der unerkannte Begleiter der beiden Emmaus-Jünger: Er führt sie in Gottes Wort ein, er erklärt ihnen, warum das alles, was sie so niedergeschlagen sein lässt, geschehen musste, das der Christus leiden und sterben musste um das Leben für uns alle zu gewinnen. Er hält ihnen eine Predigt.

So oft wird das Predigen heute verachtet. Theologisches Wissen um die  Zusammenhänge in der Bibel scheinen nicht mehr gefragt zu sein, sie zu verstehen ist vielen wohl zu mühevoll. Die Jünger auf dem Weg allerdings, werden berührt von dem Evangelium der Liebe Gottes. Sie brauchen die Worte, die ihnen sagen, dass Gott sie nicht vergessen hat, dass er ihnen hilft, dass Jesus auferstanden ist und lebt – für sie lebt.

Und damit noch nicht genug: Als sie den Unbekannten, der ihnen das Herz schon berührt hat, einladen, über Nacht bei ihnen zu bleiben, werden sie überwältigt. Jesus setzt sich mit Ihnen an einen Tisch. Lukas erzählt: „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn.“ Unversehens wird das einfache Nachtmahl zum  Abendmahl.

Der Künstler hält den Moment unmittelbar vor dem Erkennen fest. Es ist nicht mehr zu verhindern: Sie erkennen den Auferstandenen Herrn Jesus.

Die Predigt des Evangeliums haben sie mit heißem Herzen gehört: „Brannte nicht unser Herz in uns als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“

Das Evangelium haben sie gehört und das Evangelium durften sie im Abendmahl aufnehmen. Sie haben in beidem Jesus Christus erfahren, in der Predigt der frohen Botschaft von Jesus Christus und dem Sakrament, das tröstet und stärkt, in diesen Zeichen – Brot und Wein – ist Jesus bei uns. Das sind mit der Taufe die Kennzeichen der wahren Kirche. Wem das zu wenig ist, der muss sich sagen lassen, dass das alleine ausreicht, damit Menschen zu Gott finden und bei ihm bleiben, und damit der Weg der Kirche mitten in der Welt seine Bedeutung behält.

Die Aufgabe der Kirche ist dann diese: Mit vielen Ideen und ganz viel liebevoller Phantasie sich auszudenken, wie Jesus Christus verkündigt werden kann und wie die Gemeinschaft mit ihm und der Christen untereinander gefeiert werden kann.

Mein Wunsch zum Abschied von meiner Gemeinde in Hilchenbach ist der:

Dass Ihr, liebe Christen in Hilchenbach, in Jesus beieinander bleibt und in allem, was Freude macht oder Kummer, bei allen sorgenvollen Ausblicken in die Zukunft und vor allen schwierigen Entscheidungen darauf vertraut, dass unser Herr Jesus sich seine Gemeinde immer noch und bis ans Ende der Erde sammelt, trägt und erhält.

Ich danke Gott für meine Gemeinde und bitte, dass viel Segen bleiben darf.

Rüdiger Schnurr