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Flüchtlinge und Asylbewerber

Kreissynode Siegen 4 Flüchtlingsarbeit

Ab sofort 50.000 Euro für Flüchtlingsarbeit

Die Evangelische Kreissynode Siegen, die am vergangenen Mittwoch, 25. November 2015, in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgerdorf tagte, stellte ab sofort 50.000 Euro für die Flüchtlingsarbeit der Kirchengemeinden zur Verfügung. In den Kirchengemeinden, Referaten und Einrichtungen, die mit 123 stimmberechtigten Mitgliedern anwesend waren, hat die Flüchtlingsarbeit einen hohen Stellenwert. „Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt“, zitierte Superintendent Peter-Thomas Stuberg zu Beginn seiner Ausführungen 3. Mose 19, 34.  Im Ev. Kirchenkreis Siegen, so der leitende Theologe, erführe dieses Wort zurzeit eine ganz praktische Ausbildung. Nur in der Begegnung mit einzelnen Menschen erführe man über die Momente des Fremdseins hinweg viele berührende Momente der Ähnlichkeit, der Entdeckung einer gemeinsamen Bedürftigkeit und der einer grundlegenden allgemeinen Menschlichkeit. Die Flüchtlinge brächten die großen politischen Fragen in ihrem Gepäck mit. Stuberg: „Gegenseitiges Fremdsein wird am besten abgebaut durch persönliche Begegnungen, einzelne Kontakte und durch den Aufbau von Beziehungen, die Zeit zum Wachsen brauchen, zum Verstehen und zum Erlangen von Vertrauen.“ Es entspringe einer Art von Glaubensgehorsam für die Kirchengemeinden und die Diakonie, sich diesen Herausforderungen ganz praktisch zupackend und auf Lösungen angelegt zu stellen.

Der Kirchenkreis hat auf Superintendenturebene eine Koordinatorengruppe aus Mitarbeitenden der Kirchengemeinden, der Einrichtungen im Kirchenkreis und der Diakonie ins Leben gerufen, die unter der Leitung von Pfarrer Volker Schubert Verfahrensberatung und Weiterbildung anbietet, Vermittlung von Zuschüssen regelt und einen Erfahrungsaustausch fördert. Arbeitszweige werden miteinander verknüpft, um Dopplungen zu vermeiden. Auf der Internetseite des Kirchenkreises ist eine Übersicht der Aktivitäten und der Ansprechpersonen zusammengestellt.

In den Kirchengemeinden sind Netzwerke gebildet worden, Runde Tische gegründet, Kleiderkammern eingerichtet oder wurden Sachspendensammeldienste organisiert, schilderte Stuberg die Flüchtlingshilfe vor Ort. Kirchengemeinden böten Sprachkurse an, überließen Schulungsräume oder organisierten Freizeitaktivitäten für Kinder und Erwachsene. Es gebe Gemeinden, die lüden zu ihren Gottesdiensten ein und holten Menschen dazu ab. Der Gottesdienst werde zweisprachig gehalten. In der Erstaufnahme-Einrichtung in Burbach würden Andachten angeboten, die gerne auch von Menschen anderer Religionen besucht würden. Bibeln in der jeweiligen Muttersprache würden hier deutlich nachgefragt und gerne angenommen. Diese Arbeit, so der Superintendent, könne nur mit einer großen Anzahl Ehrenamtlicher geleistet werden. Die Ev. Erwachsenenbildung des Kirchenkreises organisiere hierfür Fortbildungen. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Kirchenkreises biete professionelle Beratungen und Supervision an, um belastende Erfahrungen bei ehrenamtlich Helfenden aufzuarbeiten.

Ergänzend wies der Superintendent darauf hin, dass die westfälische Landessynode für Flüchtlingsarbeit 1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt habe. Auch dort könnten Anträge gestellt werden für die Arbeit vor Ort.

kp

Zur aktuellen Situation der Flüchtlinge

15. September 2015

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wenden sich die leitenden Theologen der Landeskirchen mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit. Für die Evangelische Kirche von Westfalen hat Präses Annette Kurschus unterzeichnet.

Der Text im Wortlaut:
Zur aktuellen Situation der Flüchtlinge.
Eine Erklärung der Leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen Deutschlands

„Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“
                                                Psalm 36,8

1    Gott liebt alle seine Geschöpfe und will ihnen Nahrung, Auskommen und Wohnung auf dieser Erde geben. Wir sehen mit Sorge, dass diese guten Gaben Gottes Millionen von Menschen verwehrt sind. Hunger, Verfolgung und Gewalt bedrücken sie. Viele von ihnen befinden sich auf der Flucht. So stehen sie auch vor den Toren Europas und Deutschlands. Sie willkommen zu heißen, aufzunehmen und ihnen das zukommen zu lassen, was Gott allen Menschen zugedacht hat, ist ein Gebot der Humanität und für uns ein Gebot christlicher Verantwortung.

2     Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Bemühungen. Viele Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die große Herausforderung besteht darin, jedem Einzelnen gerecht zu werden. In ihrer Not begeben sich Menschen auf der Flucht in Lebensgefahr. Es ist humanitäre Pflicht, alles zu tun, um Menschen aus Seenot und vor anderen Gefahren zu retten. Gegen menschenverachtende Schlepperbanden und mafiöse Strukturen innerhalb und außerhalb Europas muss mit polizeilichen Mitteln vorgegangen werden. Die wirksamsten Maßnahmen gegen die Gefahren auf der Flucht bestehen in legalen Zugangswegen nach Europa. Wir fordern deshalb legale Wege für Schutz-suchende und begrüßen Diskussionen über ein Einwanderungsgesetz, das neue Zuwanderungsmöglichkeiten für Menschen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben eröffnet.

3     Unsere Gesellschaft steht vor einer großen Herausforderung, aber auch unsere Kräfte sind groß. Wir sind dankbar für die vielfältige Hilfsbereitschaft! Allen, die ehrenamtlich oder beruflich, aus Kirche, Zivilgesellschaft, Staat und Politik helfen, eine Willkommenskultur zu leben und mit einem beispiellosen Einsatz für die schnelle und menschenwürdige Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen zu sorgen, danken wir von ganzem Herzen!

Mit Entschiedenheit wenden wir uns gegen alle Formen von Fremdenfeindlichkeit, Hass oder Rassismus und gegen alles, was eine menschenfeindliche Haltung unterstützt oder salonfähig macht. Sorgen und Angst vor Überforderung müssen ernst genommen werden, dürfen aber nicht für menschenfeindliche Stimmungen missbraucht werden.

4     Als Kirche prägen wir das Zusammenleben in dieser Gesellschaft mit. Daher treten wir dafür ein, gelebte Willkommenskultur und die damit verbundene Integration zu einer zentralen Aufgabe unserer Gemeinden und Einrichtungen zu machen.

5     Mit Sorge sehen wir die Hintergründe und Ursachen der Flüchtlingsbewegungen: Klimaveränderungen, Kriege, Verfolgung, Zusammenbruch staatlicher Gewalt, extreme Armut. In diese Fluchtursachen ist auch unsere Gesellschaft vielfältig durch globale Handelsbeziehungen, Waffenlieferungen und nicht zuletzt durch einen Lebensstil, der die Ressourcen der Erde verbraucht, zutiefst verwickelt. Eine Umkehr von diesen ungerechten Verhältnissen ist an der Zeit.

6     Uns in Deutschland ist aufgrund unserer Geschichte in besonderer Weise bewusst, welches Geschenk es ist, Hilfe in der Not und offene Türen zu finden. Ohne die Hilfe, die uns selber zu Teil geworden ist, wären wir heute nicht in der Lage, mit unseren Kräften anderen zu helfen. Wir als Leitende Geistliche wollen uns dafür einsetzen, dass Europa jetzt gemeinsam handelt und seinen humanitären Verpflichtungen gemeinschaftlich nachkommt.

In der Gewissheit, dass Menschen unter Gottes Flügeln Zuflucht haben, bringen wir die Not aller  Menschen in unseren Gebeten vor Gott und bitten ihn um Kraft für die vor uns liegenden Aufgaben.

Evangelischer Kirchenkreis Siegen

Haus der Kirche  Öffentlichkeitsreferent Karlfried Petri

Burgstraße 21   57072 Siegen

Tel. 0271/5004-271   Fax 0271/5004-335